Pädagogische Betreuung in der Paulsmühle

Pädagogische Betreuung auf der Paulsmühle

Auf der Paulmühle kann man aufgrund der reizarmen und ländlichen Umgebung gut Ruhe zu sich selbst finden. Die familienähnlichen Wohnstrukturen unterstützen die Kinder und Jugendlichen dabei Vertrauen und Geborgenheit zu entwickeln und die Paulsmühle als einen sicheren Ort zu erleben.
Hinter jedem Verhalten steckt auch ein Sinn. Oft werden auffällige und störende Verhaltensweisen negativ sanktioniert, ohne dabei die bestehenden Überlebensstrategien zu erkennen, welche die Kinder und Jugendlichen sich bereits erarbeitet haben und durch ihr Verhalten zeigen.
Viele Kinder und Jugendliche leiden unter ihrer Traumatisierung oder Bindungsstörung, welche in ihren Verhaltensweisen sichtbar werden, aber für Außenstehende nicht erklärbar sind. Es ist wichtig, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen über ihre bestehenden psychischen Auffälligkeiten aufgeklärt werden und einen adäquaten Umgang mit diesen erlernen. Plötzlich auftretende und oft selbst nicht erklärende Wut, Traurigkeit oder Ängste werden gemeinsam erarbeitet und erklärt, um ein besseres Verständnis zu seinem eigenen Handeln und Denken zu erlangen.

RESILIENZ

Resilienz ist die innere, seelische Widerstandskraft, die ein Mensch besitzt, um mit Stress, mit Krisen oder mit Schicksalsschlägen umzugehen. Um Resilienz erlernen zu können, bedarf es vor allem in der frühen Kindheit eine gute, dauerhafte und stabile Bindung zu einer wichtigen Bezugsperson. Kinder die in unsicheren Beziehungen aufwachsen, bringen diese Widerstandfähigkeit nicht oder nur bedingt mit. Resilienz ist erlernbar und kann auch später noch positiv auf die Entwicklung der Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen wirken. Voraussetzung dafür ist es, den Kindern und Jugendlichen Mitwirkung und Mithilfe im Alltag zu gewähren, sowie die Möglichkeiten auch Verantwortung zu übernehmen. Jeder bringt Ressourcen mit sich, die es gilt herauszufinden und zu stärken.

Die Säulen der Resilienz werden auf der Paulsmühle aktiviert:

Stärkung des Optimismus

Förderung von Akzeptanz

Lösungsorientiertes Handeln

Neuorientierung und Zukunftsplanung

Übernahme von Verantwortung

Unterstützung und Ausbau von sozialen Netzwerken

Loslassen können und Selbstwirksamkeit erfahren

Raum für Glauben und Spiritualität

TRAUMAPÄDAGOGIK

Ein Trauma entsteht nicht nur aus einem einzelnen stark belastendem Geschehen, Traumatisierung steht vielmals durch lang anhaltentende belastende Situationen oder Geschehnisse, die für den Betroffenen eine besonders außergewöhnliche Belastung (z. B. chronische emotionale Abwesenheit der primären Bezugsperson bei Eltern mit psychischen Erkrankungen oder bspw. Alkohol- oder Drogenabhängigkeit) darstellt. Es ist davon auszugehen, dass fast alle Jugendlichen in der Jugendhilfe Traumatisierung erlebt haben und tiefgreifende Veränderungen des Selbst- und Fremderlebens mit sich bringen.
Unsere Grundhaltung ist, dass es für ein gezeigtes Verhalten immer einen guten Grund gibt. Wir helfen den Kindern und Jugendlichen dabei zu verstehen, wieso sie sich in bestimmten Situationen entsprechend verhalten und welche Gefühle zu diesem Verhalten gehören. Es ist wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen sich selber verstehen, warum sie auf Grund ihrer bisherigen Erfahrungen entsprechende Verhaltensmuster gelernt haben. Der Weg hin zur Impulskontrolle, Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung geht einher mit dem Verständnis für sich selbst und der Wertschätzung für sich und andere.
Egal ob eine Traumatisierung bei den Bewohnern vorliegt oder nicht, sie alle profitieren gleichermaßen von unserem systemisch-pädagogischen Arbeiten und der Umsetzung traumapädagogischer Elemente im Alltag wie z. B. Biografiearbeit, umgebungsbezogenes Gestaltungskonzept, ein Sicherer Ort, konsequente Partizipation an Entscheidungen und Prozessen, kreative und flexible Problemlösungen, Regulierung der eigenen Emotionen, Aktivierung familiärer Ressourcen.

TIERGESTÜTZTE PÄDAGOGIK

Bei uns leben die Kinder und Jugendlichen gemeinsam mit Tieren. Die tiergestützte Arbeit umfasst das Erlernen von artgerechter Pflege und Haltung unserer Tiere. Aktuell beherbergt die Paulsmühle Pferde, Geflügel und eine Hofkatze. Einen Hofhund hat die Paulsmühle nicht, da Hunde einen Rudelführer benötigen. Die Jugendlichen kommen jedoch in den Genuss auch mit dem Hund in Berührung zu kommen, wenn unser Fachpersonal mit Hund im Dienst ist. Alle unseren tierischen Begleiter unterstützen dabei den aufregenden Prozess und bieten den Kindern und Jugendlichen durch zwanglose Nähe, jede Menge Kuscheleinheiten und eine wertfreie Freundschaft an. Jeder Bewohner hat die Möglichkeit ein eigenes Pflegetier zu bekommen, um weitere Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erlernen.

PFERDEGESTÜTZTE INTERVENTION

Die Begegnung mit den Pferden können alle Kinder und Jugendlichen in Anspruch nehmen. Die pferdegestützten Interventionen erfolgen meist im Einzelsetting oder in Kleinstgruppen und an festen Wochentagen. Vordergründig erlernen die Kinder und Jugendlichen den täglichen artgerechten Umgang, Versorgung und Pflege der Pferde, sowie das Sauberhalten der Stallungen und Koppeln.
Die Kinder und Jugendlichen lernen im gesamten Umgang mit dem Pferd sich so zu bewegen und mit ihrem Körper zu kommunizieren (Bodenarbeit), dass das Pferd sie „versteht“ und entsprechend reagiert. Führaufgaben und Bewegungstraining bauen dabei eine sichere Bindung zwischen dem Kind bzw. Jugendlichen und dem Pferd auf. Dies sorgt bei regelmäßigem Kontakt für Entspannung und gibt Sicherheit. Konkrete Führaufgaben steigern zudem die Kompetenz und das Kind oder der Jugendliche kann stolz auf seine Leistungen sein. Auch zum Erlernen emotionaler Regulation und Kongruenz ist die pferdegestützte Intervention ein nützliches Hilfsmittel; ein Pferd spiegelt Emotionen wertfrei und unabhängig von vom Menschen etablierten Verhaltensformen.
Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit werden auch im Bereich des Heilpädagogischen Reitens, Voltigierens und Fahrens aufgebaut, wo die Kinder und Jugendlichen von anderer Position aus und ggf. mit den eigenen Zügeln in den Händen sich und das Pferd bewegen und lenken können. Aufgebautes und gefestigtes Selbstvertrauen kann dann für weitere wichtige Lernprozesse in der Therapie und Pädagogik positiv genutzt werden.

PSYCHOLOGISCHER FACHDIENST

Die hausinterne Psychologin und Traumatherapeutin unterstützt das Fach Team im Alltag durch Einzelkontakte mit den Kindern und Jugendlichen.
Besondere, individuelle Schwierigkeiten und Bedürfnisse werden hier aufgegriffen. Vor allem geht es in diesen therapeutischen Einzelsitzungen darum, dass das Kind und der Jugendliche ein Verständnis für sich selbst und seine eigenen Verhaltensweisen erlangt. Hierbei wird bei Bedarf eine Therapiemotivation für eine eventuell notwendige psychotherapeutische Anbindung im ambulanten, teilstationären oder stationären Setting aufgebaut.

ELTERNARBEIT

Wir sehen uns als eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Eltern oder Pflegeeltern können eine große Ressource für die weitere Entwicklung der Kinder und Jugendlichen sein. Aus diesem Grund unterstützen wir den familiären Kontakt.
Mit den Eltern und dem Jugendamt werden die Beurlaubungen und Telefonkontakte festgelegt. Die Personensorgeberechtigten sind in alle wichtigen Prozesse mit eingebunden, z.B. die Schul- und Berufsausbildung, Gesundheitsfürsorge und Begleitung zu Ärzten und Therapeuten, Biografiearbeit, Verselbständigungsprozess. Über Neuigkeiten, die das Kind betreffen, werden die Eltern regelmäßig informiert.
Für alle organisatorischen Absprachen, die ein Miteinander von Elternhaus und Kinder- und Jugendeinrichtung benötigen, gibt es einen Austausch zwischen Bezugsbetreuern und den Eltern. Die Eltern können uns auch jederzeit anrufen, wenn sie Fragen haben.
Es gibt für alle Eltern die Möglichkeit in regelmäßigen Abständen mit dem psychologischen Fachdienst der Einrichtung über die Entwicklung ihres Kindes zu sprechen. Diese werden nach Bedarf individuell vereinbart.
Für eine positive Entwicklungsperspektive der Kinder ist es wichtig, dass sie die Paulsmühle und ihre Eltern als eine Erziehungsgemeinschaft erleben.